Aufgaben kritischer Historikerinnen und Historiker

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Ausgangspunkt

  • Der Ausgangspunkt einer Aneignung und Erkenntnis von Geschichte – sei es in Form von einmaligen Ereignissen oder langfristigen Prozessen, von politischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Faktoren – ist immer die jeweilige Gegenwart mit ihren spezifischen Problemen.
  • Die methodische Grundlegung dieser Aneignung ist dabei in einem doppelten Sinne nicht frei gewählt: Zum einen ergibt sie sich aus dem Gegenstand selbst, der sich aus einem ganz bestimmten Geschichtsbild konstituiert, wobei sie ihrerseits wieder auf den Gegenstand zurückwirkt. Zum anderen ist sie dadurch geprägt, dass es niemals nur bei dem Schreiben von Geschichte bleibt, denn die geschriebene Geschichte “macht” immer auch selbst Geschichte und damit geht eine Verantwortung für die Zukunft beim methodisch reflektierten Schreiben von Geschichte einher.
  • Dieses dialektische Theorie-Praxis-Verhältnis ist ein zentraler Ausgangspunkt für eine kritische Geschichtsbetrachtung. Formen dafür sind beispielsweise die Historisierung des eigenen Tuns und des eigenen Fachs sowie die offene Artikulation des eigenen Standpunktes und der erkenntnisleitenden Interessen. (Selbstreflexion)
  • Damit geht einher, dass kritische Geschichte immer selbstreflexiv ist und ihre eigene Bedingtheit problematisiert. Insofern ist die Auseinandersetzung mit der Hegemonie der derzeitigen geschichtswissenschaftlichen Praxis fester Bestandteil einer Kritischen Geschichtswissenschaft, indem beispielsweise die einseitige Ausrichtung auf das eigene Fach mit interdisziplinären Fragestellungen aufgebrochen wird und bisher einseitig bearbeitete Themenfelder plurale Gestalt bekommen.
  • Eine kritische Annäherung an die Geschichte geht weiterhin davon aus, dass die dominierende Auffassung von Geschichte immer eine “Geschichte der Herrschenden” ist. Eine kritische Herangehensweise versucht hingegen, die Geschichte gegen den Strich zu bürsten, neue Perspektiven aufzumachen und “unbenutzte” Wege zu gehen. Indem sie dabei einen Blick von “unten” einnimmt und beispielsweise die Geschichten der Klassenkämpfe, des Widerstandes und der alternativen Lebensmodelle betrachtet, ist sie gleichsam eine Kritik an den derzeitigen Zuständen und den derzeitigen Formen von Herrschaft. Hinter einem solchen Verständnis von kritischer Geschichte ist leicht die politische Dimension zu erkennen: Kritische Geschichte artikuliert nicht nur bestimmte Phänomene in der Vergangenheit, sondern ist gleichzeitig eine Geschichte bestimmter Kräfte und Positionen in der Gegenwart.

Aufzeigen der Veränderlichkeit

  • Es geht ihr darum, Möglichkeitshorizonte und Veränderungspotentiale aufzuzeigen sowie sich der Forderung von Walter Benjamin zu stellen und Jahreszahlen ihre Physiognomie zu geben. Dem kann das Schreiben von Geschichte dann gerecht werden, wenn es beispielsweise subjektiven, eigensinnigen und unerhörten Gedanken und Verhaltensweisen Raum gibt – und damit auch neuen Quellengattungen gegenüber offen ist - oder auch die “Geschichte der noch nicht verwirklichten Möglichkeiten” schreibt.
  • Aufzeigen von Bewusstseinsentwicklung und der Rückschläge
  • Aufzeigen der historischen Wirkmächte
  • Zusammenhänge herstellen
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