Vermittlung von Geschichte

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  • Zwei klassische Beispiele:
  • Gedenkstätten und Thema NS. Langweilig? Warum?

Inhaltsverzeichnis

Beispiel: Die Ausstellung auf dem Obersalzberg

  • Schwieriges Thema
  • Hintegrund zur Ausstellung
  • Beispiel einer dezidiert unkritischen Geschichtspolitik
  • Ohne wirkliche Fragestellung wird aufgezählt, was allgemein über das NS-Reich erzählt wird.
  • Erschrecken über die Vergangenheit als Rechtfertigung der Gegenwart
  • Keine Vermittlung zwischen "bayerischem Idyll" und Faschismus: Im Gegenteil.
  • Mutwillige, unzusammenhängede Darstellung (Hiroshima-Bild neben Bombadierung des Berghofs, Aufzählung des Widerstands, Grundlagen des Lagersystems, Hausgeschichte): Kein Einzelfall.
  • Die Wirkungsweise der Ideologie und ihre Kontinuitäten in die Gegenwart bleiben unvermittelt.
  • Das Handeln und Denken des Besuchers wird nicht in die Krise geführt
  • Eine Alternative: Anhand des Ortes die Ästhetik des Faschismus zu thematisieren: Ihr utopischen Bilder, die sich eben nicht gegenseitig ausschließen
  • Geschichte letztlich reduziert auf die Geschichte der "bösen", führenden Täter
  • Schüler sehen in Berlin, in Dachau, am Obersalzberg letztlich dasselbe.
  • Problem: Verzicht auf "Interpretation" und Anti-Pädagogik vs. Edukationismus und Pädagogisierung

Gegenbeispiel: Gedenkstätte Breitenau

  • Aufzeigen der Tradition des Ortes: Arbeitserziehung, Fremdarbeiter, Vernichtung lebensunwerten Lebens
  • Bezüge zur Gegenwart: Begriff der Arbeit, der Disziplin etc.


Geschichtspolitik: Kampf um den Erinnerungsraum

  • Problemaischer Zugriffe: Opfer (nicht Handlungsfähig), Täter (die schuldigen Anderen)


Staunen über die anhaltenden Verhältnisse

Vermittlung von Geschichte müsste nach Benjamin am Ende dazu führen, dass man sich ungläubig die Augen reibt, dass die Verhältnisse immer noch so sind und keine anderen. Das Staunen und sich Wundern über das scheinbar Selbstverständliche.
Diese Zielbeschreibung ist vertrakt. Sie setzt voraus, dass mit der Vermittlung von Geschichte gleichzeitig schon eine geradezu naheliegende und realisierbare Handlungsalternative aufgezeigt wird.
Das ist etwas ganz anderes als das, was uns in der täglichen historischen Aufarbeitung begegnet. In Ausstellungen über Hexenverfolgungen oder den Holocaust bleibt es meist bei den Besuchern oft beim Erschrecken über die barbarische Vergangenheit oder die Grausamkeit des Menschen im Allgemeinen. "Was hätte man damals schon machen können?" Die Benennung von Verbrechen ist noch keine Aufklärung.

Gegen die Theorien der Hoffnungslosigkeit

Doch Benjamins Erkenntnisse sind in der Praxis schwer umzusetzen. Wirkungsvolles Eingreifen setzt Selbstvertrauen und Organisation mit vielen voraus. Angesichts eines Terrorsystems ist vom Einzelnen viel verlangt. Doch Benjamin entwickelt seine Forderungen genau mit Blick auf den Faschismus. Daher will er schon auf die kleinsten Widerstandsformen verweisen. Dies war offenbar eine Erkenntnis jener Generation des Widerstands und der Exils zwischn 1933 und 1945, denn auch Abendroth schreibt:

"Theorien der Hoffnungslosigkeit sind immer verfehlt. Auswege hat es in noch so katastrophalen Lagen der Weltgeschichte immer gegeben und kann es auch heute geben. Natürlich hat heute die Theorie der Hoffnungslosigkeit eine reale Grundlage, weil nämlich im Fall eines Krieges jede Zivilisation ausgelöscht werden kann. Das macht es aber für die Bevölkerung umso dringlicher, gegen diese Gefahr zu kämpfen. Und aussichtslos ist dieser Kampf nicht." (Abendroth, Zit. nach Brokmeier-Lohfing: Wolfgang Abendroth und das marxistische Denken, in: Dialektik 11 (1986): Wahrheiten und Geschichten – Philosophie nach ’45, 236.)


  • Geschichte kann "beweisen"
  • Viel Unerfülltes und Benjamins Ansatz ist selbst bis heute weitgehend unerfüllt


Brechts Vermittlungstheorie

Episches Theater

  • Ziel: Politisierung, Aktivierung, Entscheidung
  • Distanz/Verfremdung z. B. durch Erzähler (Chor, Songs), Sprünge und Montage (Benjamin, Eisenstein...)
  • Historisierung: Verständnis für die eigene Epoche

„Einen Vorgang oder einen Charakter verfremden heißt zunächst einfach, dem Vorgang oder dem Charakter das Selbstverständliche, Einleuchtende zu nehmen und über ihn Staunen und Neugier zu erzeugen [...] Verfremden heißt also Historisieren, heißt Vorgänge und Personen als vergänglich darzustellen“ (Bertolt Brecht, Gesammelte Werke in 20 Bänden, Band 15, S. 301).

Anderes Beispiel für Verfremdung: Die Weimarere Republik im TUI-Roman

  • Widersprüche und "Bewegung" zeigen
  • Unterhaltung
  • Theater als Experiment