Kritische Geschichte - Einleitung
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Was ist kritische Geschichte? Was könnte, was müsste sie sein?
Ziel: Veränderung
Kritische Geschichte will politische, soziale und kulturelle Verhältnisse in ihrem Zusammenhang untersuchen. Sie geht davon aus, dass die Gesellschaft grundsätzlich von Menschen verändert werden kann und grundlegend in eine radikaldemokratisch verfasste Gesellschaft jenseits des Kapitalismus entwickelt werden muss, wenn die Menschen zu Herren ihrer eigenen Geschichte werden sollen. Um dies zu ermöglichen, thematisiert kritische Geschichte die Veränderungspotenziale und gesellschaftliche Alternativen. Sie fragt aber auch danach, was diese so oft verhindert hat. Sie thematisiert daher auch imme wieder individuelle und kollektive Lernprozesse sowie Lernblockaden. Damit verbunden ist ein Perspektivenwechsel, der einseitige Fokussierungen auf Täter, auf Fehler, Niederlagen, die eigene Gruppe überwinden will. Kritik will eine historische Analyse, die Gegenläufiges und Möglichkeiten, das Noch-Nicht-Entwickelte und die Fehlentwicklungen gleichermaßen in den Blick nimmt, um Menschen auch wieder handlungsfähig zu machen.
Geschichtswissenschaft und Politik
Kritische Geschichte beinhaltet demnach die Frage nach der Emanzipation aller Menschen. Sie unterscheidet sich im Menschenbild, in ihrer Auffassung vom Verhältnis Mensch und Geschichte. Der sich vergesellschaftende Mensch ist hier das historische Subjekt, und das kann und will eine kritische Geschichtswissenschaft immer wieder belegen. Im kategorischen Imperativ von Marx, die Verhältnisse aufzuheben, die den Menschen zu einem erniedrigten, geknechteten, verlassenen und verächtlichen Wesen machen, kommt generell der Impuls vieler engagierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu Ausdruck. Ihnen geht es um die Überwindung von Unterdrückung, Ausbeutung, Entfremdung und Zerstörung. Daher verstehen sich kritische Wissenschaften in erster Linie als politische, "eingreifende" Wissenschaften. Sie gehen von der Erkenntnis aus, dass keine Wissenschaft, und schon gar nicht die Geschichtswissenschaft "unpolitisch" und neutral außerhalb der Gesellschaft stehen kann. Geschichtswissenschaft ist schon von Hause aus politisch, weil sie historischen Wandel zum Gegenstand hat, ihn aktiv mitgestaltet oder verhindert. ...Bereitstellung von Erfahrung/Handlungswissen...Ihr Ziel ist letztlich, zu einer reflektierten, wissenschaftlichen Politik beizutragen. Trotzdem muss sie wie jede andere Wissenschaft auch nach Objektivität, nach objektivierbaren Aussagen streben. Daraus muss sie sich schwierigen Fragen stellen, wie die nach dem Verhältnis von Parteilichkeit und Objektivität, oder der Frage nach der Kategorie "Fortschritt".
Ein möglicher Ausgangspunkt ist eine berühmte Notiz aus Peter Weiss Tagebüchern (1981, 686). Mit Bezug auf den Umgang mit dem Stalinismus schreibt er:"Linie Luxemburg-Gramsci - Voraussetzung: Aufklärung der historischen Fehler - die lebendige kritische Wissenschaft, Ablehnung jeder Illusionsbildungen, Idealismen, Mystifikationen“
Vorläufer
Damit wird auch klar, dass "Kritische Geschichte" kein revolutionärer Neuansatz ist, sondern auf zahlreiche Vorläufer zurückblicken kann. Ihre Wurzeln liegen in der Aufklärung und in der marxistischen Geschichtswissenschaft. Sie steht unter ständigem Veränderungsdruck, weil immer wieder auf neue Fragen und Erkenntnisse zu antworten hatte. Von kritischen Historikern wurden immer wieder Sonderfragen aufgeworfen, die sich langsam im allgemeinen Forschungskanon durchsetzen konnten. Etwa die Postcolonial und Gender Studies, die Sozial- und Alltagsgeschichte oder die Cultural- Studies. ...weitere...
- Zeitgebundenheit des historischen Interesses (z. B. Sozialgeschichte, Umweltgeschichte)
- Synthese einer historischen Sozialwissenschaft und der neuen Kulturgeschichte
- Globalgeschichte - Transnationale Perspektiven - Postkolonialimus - Geoculture
- Interdisziplinarität
- Historische Anthropologie (Jakob Tanner)
Leute
- Foucault
- Bourdieu
- Michel de Certeau, Kunst des Handelns
- E.P.Thompson, Agencyperspektive der Únterschichten.
Reflexiv und selbstkritisch
Dies alles deutet schon an, dass eine kritische Geschichtswissenschaft selbstreflexiv und selbstkritisch sein muss. Sie unterliegt selbst akademischen und sozialen Anpassungszwänge. Alle dort formulierten Vorstellungen konnten nicht anders geprägt sein als durch die Bedingungen, auf die sie zu antworten hatten. Das heißt aber auch, dass die jeweiligen Ansätze kritischer Geschichtswissenschaft im Kontext der jeweiligen Lebens- und Produktionsweisen zu betrachten sind.
Im folgenden sollendie Begriffe Kritik und Geschichte näher definiert werden.
Literatur zum Thema:


