Gesellschaftsformationen

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Inhaltsverzeichnis

Formation, Zivilsation etc.

  • Gesellschaftsformation: Ein schwieriger Begriff, weil er von der marxistischen Orthodoxie fast völlig zerstört ist
  • Formationstheorie bei Küttler (auch im Artikel Kapitalismus)
  • Zivilisationsbegriff. Problem der sogenannten Hochzivilisationen (Elias: Zivilisation gibts noch gar nicht): Größere Arbeitsteilung, Produktionsweisen, Großräumigkeit, gemeinsame Ideologie. Nicht in allem überlegen, aber orientierend (durch Zwang und Konsens) für andere, angrenzende Gesellschaften.
  • Zivilisationsbegriff bei Tjaden

Klassen? Soziale Bewegung?

Marx

"Die Ökonomie (aber) handelt nicht von Dingen, sondern von Verhältnissen zwischen Personen und in letzter Instanz zwischen Klassen" (MEW 13: 476).

"Es wird von den wirklich tätigen Menschen ausgegangen und aus ihrem wirklichen Lebensprozeß auch die Entwicklung der iedologischen Reflexe und Echos dieses Lebensprozesses dargestellt." (MEW 3, 26)

Die jeweiligen Entwicklungsmöglichkeiten hingen für den historischen Materialisten Abendroth auch von den historischen Altlasten einer jeden Gesellschaft ab – mit Marx von den »unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen«. (MEW, Bd. 8, 115)

Norbert Elias

  • Entwicklungsprozess ist ungeplant, aber dennoch gerichtet und strukuriert
  • "Pläne und Handlungen, emotionale und rationale Regungen der einzelnen Menschen greifen beständig freundlich oder feindlich ineinander. Diese fundamentale Verflechtung der einzelnen menschlichen Pläne und Hanlungen kann Wandlungen und Gestaltungen herbeiführen, die kein einzelner Mensch geplant oder geschaffen hat. Aus ihr, der Interdependenz der Menschen, ergibt sich eine Ordnung von ganz spezifischer Art, eine Ordnung, die zwingenden und stärker ist als Wille und vernunft er einzelnen Menschen, die sie bilden. Es ist diese Verflechtungsordnung, die den Gang des geschichtlichen Wandels bestimmt; sie ist es, die dem Prozeß der Zivilisation zugrunde liegt." (Prozeß der Zivilisation, II, 314)

Ernst Bloch

Ungleichzeitigkeiten: "Nicht alle sind im selben Jetzt da, sie sind es nur äußerlich dadurch, dass sie heute zu sehen sind, dadurch aber leben sie nicht mit den anderen zugleich. Sie tragen vielmehr Früheres mit, das mischt sich ein. Je nach dem wo einer leiblich, vor allem klassenhaft steht, hat er seine Zeiten. Ältere Zeiten als die heutigen wirken in älteren Schichten nach. Leicht geht oder träumt es sich in ältere zurück. Gewiss ein bloß ungelenker Mann, der eben deshalb hinter den Ansprüchen seines Postens oder Pöstchens zurückbleibt, ist einfach als er selber zurückgeblieben. Doch wie, wenn er außerdem durch nachwirkende altbäuerliche Herkunft etwa als Typ von früher in einen sehr modernen Betrieb nicht passt. Verschiedene Jahre überhaupt schlagen in dem einen, das soeben gezählt wird und herrscht."


E. P. Thompson

v. a. "The Making of the English Working Class", 1963 (dt. Die Entstehung der englischen Arbeiterklasse, 1987) eines der bedeutendsten Pionierwerke der neueren Sozialgeschichte (vgl. hier und zum Folgenden Jünke 1998)

  • Klassenbegriff: Klasse nicht als schlichte Kategorie oder als Struktur, nicht als abgeleitetes Phänomen einer alles beherrschenden Ökonomie oder als Erfüllungsgehilfen einer allwissenden Partei.
  • Klasse als historisches Produkt, "etwas, das sich unter Menschen, in ihren Beziehungen, abspielt", etwas, das ohne die Kategorie von "Erfahrung" nicht gedacht und verstanden werden kann und das wir als "Muster in ihren Beziehungen, ihren Ideen und ihren Institutionen" erkennen können. Klassenanalyse war ihm so Analyse von Klassenbewußtsein. "Indem Menschen ihre eigene Geschichte leben, definieren sie Klasse, und dies ist letzten Endes die einzige Definition." (vgl. Jünke 1998)
  • gegen den mechanischen Determinismus großer Teile der traditionellen Linken.
  • Reaktivierung voluntaristischer Elemente im marxistischen Theoriegebäude als immanenter Teil der neulinken Rückkehr zur Dialektik, "Dialektik, verstanden als Logik des Prozesses" (Thompson)
  • Gegen technokratische Fortschrittsgläubigkeit und den Kult der Zukunft
  • Revolutionäre Romantik, die Traditionen romantischer Kritik der industriell-kapitalistischen Zivilisation als mentale Kraftquelle für die Kämpfe um eine nachkapitalistische Zukunft.
  • "Nichts ist typischer und für den westlichen Marxismus enthüllender, als seine von Grund auf antidemokratischen Prämissen. Ob Frankfurter Schule oder Althusser, sie sind geprägt durch die sehr starke Betonung, die sie auf dem unentrinnbaren Druck ideologischer Herrschaftsformen legen, auf eine Herrschaftsform, die jeglichen Raum für Initiative und Kreativität der Masse der Menschen zerstört, eine Herrschaft, von der sich nur eine aufgeklärte Minderheit von Intellektuellen freikämpfen kann."
  • Abrechnung mit Louis Althusser, dem Säulenheiligen einer ganzen Generation (halb-)marxistischer Intellektueller (dt. "Das Elend der Theorie. Zur Produktion geschichtlicher Erfahrung", 1980).
  • libertär-kommunistische Sicht. Marx schweigt, "was die kulturellen und moralischen Vermittlungen angeht, wie Menschen in spezifische, vorgegebene Produktionsverhältnisse eingebunden sind, die Art und Weise, in der diese materiellen Erfahrungen kulturell verarbeitet werden, und auf welche Weise bestimmte Wertsysteme mit bestimmten Produktionsweisen zusammenpassen und bestimmte Produktionsweisen und Produktionsverhältnisse ohne passende Wertsysteme unvorstellbar sind".

Soziale Bewegungen

Probleme einer Definition

Soziale Bewegung ist ein schwieriger und schwammiger Begriff, weil letztlich jede Bewegung und Formation aus sozialen Widersprüchen heraus entsteht, und auf das ganze Gesellschaftliche direkt oder indirekt wirkt.

Zunächst thematisierte der Begriff im 19. Jarhunder soziale Ungleichheit. Die Arbeiterbewegung gilt von daher bis heute als "die" soziale Bewegung. Die "Neuen sozialen Bewegungen" Mitte des 20. Jahrhunderts fokusierten dann die von der organisierten Arbeiterbewegung eher vernachlässigten, oder neue gesellschaftliche Themen: Geschlechterverhältnisse, Rassismus, Arbeits- und Lebensweisen, Ökologie, Atomrüstung, Wissenschaft, Kunst und Kultur. Die Neuen Sozialen Bewegungen betonten, dass gesellschaftliche Konflikte nicht nur aus den Problemen erwuchsen, die ursprünglich mit dem Begriff des Klassenkampfes identifiziert wurden. Beziehungsweise wehrten sie sich dagegen, im Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit einen "Hauptwiderspruch" zu erkennen.

Man könnte leicht zeigen, dass diese Probleme auch schon vor den Neuen sozialen Bewegungen und vor 1968 Gegenstand der nicht-orthodoxen marxistischen Diskussion war, doch das führt meist nur zu einer fruchtlosen Rechthaberei. Entscheidend ist dabei, dass auch marxistischen Sozialisten versuchten, die Klassentheorie zu aktualisieren und thematisch zu erweitern.

Dann wirds richtig politisch: Die Soziaisten machten dabei deutlich, dass von einem emanzipatorischen Standpunkt aus jedes Emanzipationsprojekt immer auch ein Klassenkampf ist, denn: der Kampf um den Erhalt der Biosphäre wird keinen langfristigen Erfolg haben, wenn sich etwa transnationale Energie-Konzerne der gesellschaftlichen Kontrolle entziehen können. Eine demokratische, gesamtgesellschaftliche Kontrolle ist nur dann möglich, wenn keine Einzelperson, oder Teilgruppe den Konzern als privates Eigentum betrachten kann. An diesem letzten Punkt scheiden sich bekanntlich die bürgerlich-demokratische und die demokratisch-sozialistische Strömung.

Für den Begriff "soziale Bewegung" bedeutet das aber, dass sich in ihm historische, begriffgeschichtliche und weltanschauliche Probleme überlagern. Das Verhältnis zu "Klassen" und "Klassenkämpfen" muss geklärt werden. Der Begriff "soziale Bewegung" ist nicht nur ein analytischer Begriff, sondern ein umkämpfter Begriff, dessen Begriffsgeschichte viel über die jeweiligen Verhältnisse erzählt. Dieses komplexe Problem, mit dem sich schon lange viele und klügere Köpfe beschäftigen, kann hier nicht gelöst werden. ##Verweis auf Literatur## Vielleicht reicht erst einmal eine einfache Arbeitshypothese: Eine politische Bewegung zielt auf das Öffentliche, auf den Staat. Eine soziale Bewegung will die Gesellschaft als Ganzes ändern, oder zielt auch auf Bereiche, die das "private" Leben betreffen, etwa Arbeits- und Lebensweisen. Gleichzeitig gibt es seitdem es "Zivilisation" gibt, Klassenverhältnisse. Mit ihnen werden politische und soziale Teilhaberechte thematisiert: Demokratie als Inhalt und Ziel einer ganzen Gesellschaft. Soziale Bewegungen sind, unabhängig von ihrem Thema, immer auch insoweit Klassenkämpfe, weil sie ihr Ziel ohne eine entsprechende politische und soziale Veränderung nicht erreichen oder dauerhaft sichern können. Der letzte Punkt ist wie gesagt weltanschaulich strittig.

???Notwendigkeit, die bisherigen Definitionsversuche zu skizzieren und zu vergleichen???

???Überleitung zu einer Definition mit Freiheitsbegriff von Kofler???

Globale Dimensionen

Hegemonietheorie: Gramsci

Das enge Verhältnis von Politik, Ökonomie und Kultur einer neuen Hegemonie darf keineswegs deterministisch oder ökonomistisch verstanden werden. »Eine bestimmte Form der Ökonomie bedingt eine bestimmte Form der Politik und umgekehrt«, betont Mario Candeias. (Candeias 2004, 21) Die Durchsetzung eines neuen Akkumulationsregimes und einer entsprechenden Regulationsweise ist nach Candeias Ergebnis sozialer und politisch-ideologischer Kämpfe, die vom Handeln der jeweiligen Akteure bestimmt werden. Dabei formieren sich unterschiedliche soziale Gruppen und Klassenfraktionen in der Auseinandersetzung mit anderen zu »historischen Blöcken«:

"Jede Form von Akkumulation und Regulation erweist sich als umkämpfter Prozess. Dabei sind die unterschiedlichen Interessen und Strategien dem Kampf nicht vorausgesetzt, sondern werden vor dem Hintergrund bestehender geschichtlicher Formen, Regulationsweisen, Individualitäts- bzw. Habitusformen und Alltagspraxen erst in der Auseinandersetzung mit anderen konstituiert. Die Vermittlung und Artikulation dieser verschiedenen Interessen und Strategien verdichtet sich zu hegemonialen Projekten." (Candeias 2004, 43)

Die Bildung von Hegemonie und Zivilgesellschaften blieb nicht auf den nationalen Kontext beschränkt. Jedes Hegemonie-Verhältnis ist laut Gramsci "notwendig auch ein pädagogisches Verhältnis und manifestiert sich nicht bloß zwischen den verschiedenen Kräften innerhalb einer Nation, sondern auch auf der gesamten internationalen und globalen Ebene, zwischen den Komplexen nationaler und kontinentaler Zivilisationen." (Gramsci 1967, 152)

Abendroth

  • Abendroth war zu der Erkenntnis gelangt, dass es nach 1945 im globalen Rahmen keine wesentliche innenpolitische Machtverschiebung in einem Staat gibt, „die nicht durch das Gesamtgefüge der internationalen Beziehungen zwischen den Weltmächten und den übrigen Staaten, meist auch durch die Sonderinteressen irgendeiner Weltmacht bzw. einer konkret feststellbaren Staatengruppierung, sei es in dieser, sei es in jener Weise, mitbestimmt wäre.” (Abendroth 1973a, 13)
  • Und umgekehrt werde das Verhalten der Staaten bei den Internationalen Beziehungen sowohl gegenüber den anderen Staaten, als auch zu den wichtigen allgemeinen Problematiken der Fortentwicklung der internationalen Beziehungen, durch deren jeweilige innenpolitische Machtstrukturen bestimmt. Daraus schlussfolgert Abendroth, "daß diese Verschränkung von innenpolitischer Struktur der einzelnen Staaten und Strukturen der International Relations objektiv [...] nicht auf ein mechanistisches Ursache-Wirkung-Verhältnis reduziert werden kann, sondern eine allseitige dialektische Beziehung darstellt, die sich geschichtlich – in ständiger Bewegung ihrer Komponenten wie des Ganzen, die sich beide widersprüchlich entwickeln und durch diese Entfaltung ihrer Widersprüche weitergetrieben werden – fortbewegt." (Abendroth 1973a, 13)
  • Daraus ergeben sich Völkerrechtssubjekte, das Völkerrecht
  • Abendroth weitergedacht: internationale Zivilgesellschaft, aber auch Handlungsmuster, Arbeits- und Lebensweisen. (z. B. Konsumgewohnheiten)


Migration und Kulturtransfers


Stichworte beispielsweise bei der Entwiklung des Kapitalismus: Wechselwirkung von Arbeit (im besodenren Kapital-Lonarbeit)(nicht Scholastisch/Reduktionistisch: Arbeit/Täigkeit ist viel umfassender), Revolution, Produktivkraftenticklung, Zusammenhang von Klassenkämpfen und Produktionsweisen (daraus entstehen unterschiedliche Kapitalismen), Kapitalistische und Nicht-kapitalistische Formen parallel, Schlüsseltechnologien.

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